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Veröffentlicht am: 23. August 2017

Cafétisch mit Pflanze und Aufsteller

Zwischen Klischees und einem digitalen Friedhof: Was ist ein Startup?

Ein Startup zu haben, das klingt schick. So schick, dass sich das kleine Café von nebenan beinahe als solches bezeichnen würde. Ist das legitim? Und würde STRATO selbst gerne wieder ein Startup sein? Wir konfrontieren Startup-Mentor und STRATO Technikvorstand René Wienholtz mit fünf wilden Thesen.

These 1: Alles ist Startup.

Warum bezeichnen sich junge Unternehmen als Startups? Klingt das schlichtweg moderner oder ist einfach jede Gründung ein Startup?

René Wienholtz Sicher handelt es sich beim Startup auch um ein Modewort. Das liegt meiner Meinung nach daran, weil wir es dazu gemacht haben. Ursprünglich kommt das Wort „Startup“ aus dem Angelsächsischen und bezeichnet mehr oder weniger allgemein eine Firmengründung. Ab den späten 90ern wurde dieser Begriff in den USA – und später folgend dann in Deutschland – immer häufiger für frisch gegründete Unternehmen verwendet, die zusätzlich mit neuen Technologien in Verbindung gebracht wurden, insbesondere dem Internet.

Das trägt meiner Ansicht nach zur neuzeitlichen Bedeutung des Startup-Begriffs bei: Es hat mit dem Internet oder etwas „dinglich Technologischem“ zu tun. Nehmen wir das Café von nebenan als Beispiel: Von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes aus betrachtet ist es nicht verkehrt zu sagen, dass es ein Startup ist. In der neuzeitlichen Bedeutung aber assoziieren wir beim Startup-Café, dass dahinter mehr steckt als bei üblichen Cafés: Zum Beispiel ein Online-Shop, über den es weiterentwickelte, angesagte Produkte vertreibt, etwa ein megageiles Coldbrew oder neuartige Geschmacksrichtungen.

Reicht frischer Kaffee für ein Startup? „In der neuzeitlichen Bedeutung assoziieren wir, dass beim Startup-Café mehr dahintersteckt als beim üblichen Café“, sagt STRATO CTO René Wienholtz.

These 2: Startups leben von Innovation und Investition.

Damit Startups wachsen und wirtschaftlich erfolgreich sind, benötigen sie immer eine ausgefallene Idee und reichlich Kapital, richtig?

René Wienholtz Ehrlich gesagt: Viele Geschäftsmodelle der erfolgreichen Firmen basieren auf Kopien. Zalando hat sich beispielsweise am Vorbild Zappos aus den USA bedient: Vereinfacht gesagt hat Zappos als Online-Shop mit Schuhen und einer massiven Marketingkampagne angefangen – Zalando hat das Konzept und den Marktangang nahezu 1:1 kopiert und an die regionalen Bedürfnisse angepasst. Zalando hat Zappos damit den Eintritt auf den europäischen Markt verdorben. Ist hier der Innovationsgrad hoch? Nein, denn Zalando wendet lediglich ein bereits existentes Geschäftsmodell an und befeuert seine Version mit jeder Menge Budget.

Es funktioniert aber auch umgekehrt. Nehmen wir Seniovo als Beispiel, ein junges Unternehmen, das zum barrierefreien Wohnen berät und den Umbau als Dienstleistung anbietet. Die Idee dahinter hat meiner Ansicht nach einen höheren Innovationsgrad, nur sind die Investitionen nicht so exorbitant wie beim vorherigen Beispiel. Das für den Betrieb und die Erweiterung der Geschäftstätigkeit nötige Budget erbringt das Startup über den eigenen Cash-Flow und deutlich weniger Fremdkapital, somit wächst es eher organisch. Auch das ist ein valides Vorgehen.

These 3: Startup bedeutet Erfolg.

Das “up” in Startup steht für Aufstieg. Da kann es kein Scheitern geben, oder?

René Wienholtz Erfolgsaussichten gibt es statistisch gesehen am ehesten bei den Startups, die zuvor große Summen bei Investoren einwerben konnten und mit Gründerteams ausgestattet sind, die bereits mehrfach Firmen aus der Taufe gehoben haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit ihrer neuen Idee erfolgreich sind, ist bei ihnen vergleichsweise höher. Das bildet aber nicht die Mehrheit ab, denn die Mehrheit verschwindet nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche.

Um auch dies der Welt einmal vor Augen halten zu können, müsste man dazu am besten einmal einen „digitalen Friedhof“ für untergegangene Startups bauen, auf dessen Grabsteinen steht, wie viel Geld und Arbeit in das Projekt reingeflossen sind. Gründer müssen auch mit dieser Realität konfrontiert werden, denn manche – zum Glück die Minderheit – gehen von einem Klischee aus: binnen kurzer Zeit mit einer kleinen App auch ohne klaren Plan ein Unternehmen mit vielen Millionen Euro Wert zu schaffen, dieses schnell zu verkaufen und mit dreißig  Jahren den Lebensabend in der Karibik zu genießen.

Das ist natürlich stark überspitzt formuliert, die Vorstellung vom „Lucky Punch“ kommt aber nicht von ungefähr – man schaue sich eine Vorlage wie Instagram an. Das gegenteilige Bild zeichnet folgendes Beispiel: Das Startup Amen ging um 2011 mit einer Meinungs-App als Produkt und prominentem, finanzkräftigem Rückhalt aus Hollywood durch die Decke – allerdings ohne ein echtes Monetarisierungskonzept. Nach dem großen Hype schauten sie 2013 ins Portemonnaie und fanden: nichts mehr. Diese Untergänge finden bei weitem häufiger statt als das Stolpern über einen Klumpen Gold.

Aber aus Geschichten wie diesen haben wir dazugelernt. Bis etwa 2012 haben die Glücksritter unter uns in so gut wie alles Geld reingesteckt, sobald das Produkt nur „irgendwas mit dem Internet“ zu tun hatte. Inzwischen schauen die Investoren noch genauer hin und nehmen sich mehr Zeit, um zum Beispiel Finanz- und Businesspläne zu evaluieren und somit die Fehler von damals nicht zu wiederholen. Die Szene ist professioneller geworden. Das zeigt auch das wachsende Angebot an Mentor-Programmen wie etwa der Berlin Startup Academy.

„Gründer und Investoren schauen heute genauer hin, um die Fehler anderer nicht zu wiederholen.“

These 4: Ohne fundierte IT-Kenntnisse kann jedes Startup einpacken.

Wenn Startups etwas mit dem Internet oder mit dinglich Technischem zu tun haben und ich wenig bis gar keine Ahnung von diesen Themen habe: Wie soll ich da noch gründen?

René Wienholtz Ich beobachte immer mehr, dass sich Nutzer weniger mit der Technik beschäftigen wollen, die hinter einem Produkt steht. Und das trifft auch auf Gründer zu. Statt beispielsweise selber eine Website oder eine eCommerce Plattform zu programmieren, greifen sie auf Lösungen zurück, die so gut wie keine Vorkenntnisse voraussetzen und schnell zum Ziel führen. Das wären bei STRATO zum Beispiel der Homepage-Baukasten oder das Shop-System. Auch sehe ich, dass Startups de facto reine „Entwicklerstuben“ sind – Administratoren, die sich mit dem Betrieb komplexer Serverlandschaften beschäftigen, findet man immer seltener auf deren Gehaltslisten. Grund dafür ist, dass die Applikationen mehrheitlich auf Cloud-Services ausgerollt werden, bei denen der Hoster genau diesen Arbeitsanteil übernimmt.

Was bedeutet das für Gründer? Je nachdem, wie ihre Gründungsidee ausgerichtet ist, benötigen sie ein nötiges Minimum an IT-Kenntnissen beziehungsweise dedizierte IT-Fachleute. Denn die Möglichkeiten das Geschäftsziel zu erreichen werden immer einfacher und nutzerfreundlicher. Konkret: Das am Anfang erwähnte Café muss mit einem guten Kaffee überzeugen – nicht mit Programmierkenntnissen! Denn für den Online-Vertrieb ist der Webshop bereits vorgefertigt, er muss ihn nur noch nutzen.

These 5: Neidisch blicken die „alten“ Unternehmen auf die jungen Startups.

Viele Unternehmen wollen wieder wie ein Startup sein. STRATO auch?

René Wienholtz Natürlich können ältere Unternehmen nicht wieder zum Startup werden, denn sie befinden sich nicht mehr in ihrer Gründung. Worum es aber vielen geht, ist sich wie ein Startup zu fühlen!
Wenn ich als Technikvorstand von STRATO so was sage, dann hat das auch mit einem nostalgischen Blick in die Vergangenheit zu tun: in eine Zeit, in der wir eben mit einem Dutzend IT-MitarbeiterInnen unser Kernprodukt nach vorne gebracht haben und dabei sicher viele Hürden zu überwinden hatten, aber doch immer kontinuierlich und stabil gewachsen sind. Zwanzig Jahre später gehört STRATO mit rund 500 Mitarbeitern zu den etablierten Internetdienstleistern – und trotzdem wollen wir wieder ein Startup-Feeling reinbringen. Wieso?

Startups haben eine besondere Dynamik: Man stelle sich einen Raum mit sechs Tischen vor, in dem alle KollegInnen Hand in Hand an einem Produkt arbeiten. Taucht ein Fehler auf, steigt der Ehrgeiz und alle setzen sich noch mal ran, denn das Team will die Welt davon überzeugen, dass die Idee und das Produkt funktionieren. Die Motivation ist super intrinsisch, die Kommunikation läuft ganz direkt von Tisch zu Tisch und aufgrund dieses Teamzusammenhalts ist die Arbeit besonders freudvoll und effektiv.

Bei so gut wie jedem Unternehmen lässt das mit der Zeit und der wachsenden Zahl an Kollegen etwas nach. Wege werden länger und man hat eher das Gefühl, weniger Handlungsspielraum zu haben. Das ist leider normal und STRATO stellt da keine Ausnahme dar. Wir wirken dem entgegen, indem wir agil arbeiten und produktzentrierte Teams bilden, die möglichst autark Ergebnisse erzeugen können. Es geht also organisatorisch wieder zurück: Hin zu den kleinen Teams, die fast alles um die eigenen Produkte selbst leisten können und begeistert an diesen arbeiten.

Wir halten fest:

1.: Du kannst Deine Gründung als Startup bezeichnen, musst es aber nicht.

2.: Dein Startup kann auf einer innovativen Idee gründen – oder auf einer Kopie.

3.: Erfolg kommt nicht von allein: Plane sorgfältig, lerne von den Fehlern anderer und lass Dich beraten.

4.: Ahnung von Technik zu haben ist zwar praktisch, für Deinen Erfolg aber nicht ausschlaggebend: Bei Deiner Gründung helfen Dir vorgefertigte Lösungen, zum Beispiel für Deine Homepage und Deinen Webshop.

5.: Startups sind ehrgeizig und wollen die Welt von sich überzeugen – wie andere Unternehmen auch.

Wie seht ihr das, liebe Leser?
Stimmt Ihr zu oder seid Ihr ganz anderer Meinung? Welche Erfahrungen habt Ihr als Gründer oder Angestellte mit Startups gemacht? Wir sind gespannt auf Euren Input: Hinterlasst uns einen Kommentar!

Tags: Startup

Der Autor:

Autor: Philipp Wolf

Hallo, ich bin Philipp Wolf und arbeite jeden Tag mit den Produkten von STRATO. Dabei finde ich immer wieder spannende Themen, die ich hier auf "STRATO bloggt" teile.

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