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Veröffentlicht am: 21. August 2014

Text Schieb spricht

Schieb schreibt: Wie die NSA das Vertrauen ins Netz ramponiert

Diesmal erklärt unser Gastautor Jörg Schieb, wie man sich gegen die Auswirkungen der Schnüffeleiaktionen von NSA und GCHQ wehren kann. Denn wer die Tricks und Angriffsziele der Geheimdienste kennt, kann sich ihnen entziehen – zumindest teilweise.

Von Jörg Schieb

Die ungenierten Schnüffeleien der NSA: Sie sind seit Monaten ein beherrschendes Thema in den Nachrichten – und bei Diskussionen unter Experten. Wie kann man sich wehren, wie lassen sich die neugierigen Blicke von Big Brother abwehren? Diese Frage beschäftigt nicht nur Insider und Netzexperten, sondern auch die meisten ganz normalen Computerbenutzer.

Das Vertrauen in amerikanische Onlinedienste schwindet, das hat eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens Convios ergeben. Innerhalb weniger Monate haben 10 Prozent mehr (37%) Deutsche Bedenken, Daten bei US-Onlinediensten zu speichern. Besonders groß sind die Zweifel bei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren. Diese Altersgruppe versteht in der Regel auch am meisten von den technischen Zusammenhängen.

Vertrauen in amerikanische Cloud-Dienste schwindet

US-Geheimdienste und Behörden schnorcheln alles ab, was auch nur im Entferntesten interessant sein könnte – vor allem bei kostenlosen Onlinediensten wie sozialen Netzwerken und in öffentlich zugänglichen Plattformen. Die Onlinedienste dürfen nicht mal darüber sprechen, das verbietet der amerikanische Gesetzgeber. Kein Wunder, dass die Bereitschaft abnimmt, sensible Daten in der Cloud zu speichern.

Das merken auch die Onlinedienste. Ob Facebook, Microsoft oder Twitter: Die US-Größen der Branche sind beunruhigt, da Vertrauen die wichtigste Währung ist. Sie versuchen zu beschwichtigen und aufzuklären. Einige wie Google, Apple oder Microsoft haben im Zuge der NSA-Affäre aber auch bereits den Datenschutz verbessert. Daten werden nun verschlüsselt übertragen und so besser vor Zugriffen geschützt, auch der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren wird nun durch Verschlüsselung abgesichert. Bürgerrechtler der EFF (Electronic Frontier Foundation) loben solche Aktivitäten, weil sie den Nutzern mehr Datenschutz bringen.

Trotz NSA: Verschlüsseln schützt die Daten

Normalerweise hilft Verschlüsseln weiter. Auch wenn es der NSA offensichtlich gelungen ist, einzelne Verschlüsselungssysteme zu knacken oder zumindest zu manipulieren, so lässt sich doch eindeutig sagen: Verschlüsseln hilft nahezu immer weiter. Schließlich will man seine Daten nicht nur dem Geheimdienst vorenthalten, sondern auch andere Kriminelle abhalten. Und verschlüsselte Daten sind in aller Regel entweder überhaupt nicht oder nur unter enormen Aufwand zu lesen. Je komplexer der Schlüssel, desto eher beißen sich Neugierige die Zähne aus.

Was weiterhin hilft ist Datensparsamkeit und Datenvermeidung. Das bedeutet: Nicht überall alle Daten angeben, sondern nur solche Daten eintragen und speichern, die zwingend erforderlich sind. Viele User sind in dieser Hinsicht viel zu großzügig, verraten mehr als nötig ist. Auch sollte man Daten von nicht mehr benutzten Onlinekonten löschen und bei Bedarf auch komplette Konten wieder schließen. Eine Art Frühjahrsputz für den Datenschutz.

Risiko verringern: Daten nach Europa holen

Es ist außerdem immer eine gute Idee, nicht alle Daten an einer Stelle zu speichern, bei einem Anbieter. Wer Termine, Kontakte, Fotos, Texte, Dokumente, Musik und Videos auf verschiedene Anbieter verteilt, ist weniger transparent als jemand, der alles einem Anbieter anvertraut. Sich auf einen Anbieter zu verlassen ist in der Regel bequemer, keine Frage – aber eben auch deutlich riskanter. Man macht es so nicht nur den Onlinediensten einfacher, einen kennenzulernen, sondern vor allem auch den Geheimdiensten.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann im Augenblick eigentlich nur eins machen: Seine Daten nach Europa holen, auf deutschen oder zumindest europäischen Servern speichern – und alles verschlüsselt übertragen. Es gibt Cloud-Anbieter in Deutschland, etwa Hidrive von Strato. Oder man mietet Webspace oder einen kleinen Server und installiert seine eigene Cloud. Was nicht über den großen Teich geht, ist für die US-Geheimdienste – zumindest nach aktuellem Kenntnisstand, muss ich sagen! – deutlich schwieriger erreichbar. Und eine Verschlüsselung erschwert auch anderen Kriminellen den Zugriff, darauf sollte man also in keinem Fall verzichten.

Der Aufwand lohnt sich. Ganz wichtig ist eben auch, wo immer möglich eine verschlüsselte und damit vertrauliche Datenübermittlung zu verwenden. Das gilt vor allem für den Fall, dass sensible Daten übermittelt oder gespeichert werden sollen. Die NSA-Affäre hat die Verletzlichkeit der Daten offengelegt und macht immer mehr Menschen klar: Das Internet ist ein öffentlicher Raum. Wer keine Öffentlichkeit will, muss zu den nötigen Hilfsmitteln greifen, insbesondere Verschlüsselung.

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Autor: Jörg Schieb

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