Schieb schreibt: IPv6 – Wenn der Platz nicht mehr reicht

Schieb schreibt: IPv6 – Wenn der Platz nicht mehr reicht

Diesmal hat sich unser Gastautor Jörg Schieb anlässlich des heutigen World IPv6 Day Gedanken über das neue Internetprotokoll gemacht. Es ist nötig, um künftig Engpässe im Netz zu vermeiden. Der Umstieg erfolgt leise und im Hintergrund – ist aber noch nicht abgeschlossen.

Von Jörg Schieb

Das Internet ist ein einziges großes Netzwerk, ein unsichtbarer Verbund von Servern, Netzwerken, PCs, Smartphones, Tablets, Fernseher und anderen Geräten. Jedes Gerät im weltweiten Netz hat eine eindeutige Nummer, die sogenannte IP-Adresse. Sie besteht aus vier Zahlen von 0 bis 255, die in der üblichen Schreibweise jeweils durch Punkte getrennt sind (IPv4 genannt). Damit ergeben sich knapp 4,3 Milliarden mögliche IP-Adressen. Genug für jeden Zweck, dachte man Mitte der 1970er-Jahre, als man sich auf IPv4 geeinigt hat. Ein Trugschluss, wie sich schnell herausstellen sollte. Damals rechnete man halt nicht mit dem explosionsartigen Wachstum des World Wide Web. Bereits Anfang 2011 wurden die letzten Nummernblöcke an die zuständigen Vergabestellen zugewiesen – alle Adressen von IPv4 sind weg. Vergeben. Mehr geht nicht.

Damit dennoch für das zukünftige Wachstum des Internet gesorgt ist, ist – zusätzlich zum bisherigen IPv4-Standard – ein neues Adressierungs-System ins Leben gerufen worden: IPv6. Eine neue Art, Computer und Geräte miteinander zu vernetzen, mit deutlich längeren IP-Adressen. 340 Sextillionen Geräte können so ins Netz – eine unvorstellbare Zahl.

IPv6-Adressen sind erheblich länger als die bisherigen IPv4-Adressen. So sind mehr Nummern-Kombinationen möglich. Ganze 2128 Möglichkeiten gibt es, ausgeschrieben eine Zahl mit 37 Nullen. Das sollte für die nächsten Jahrzehnte ausreichen.

Doch es reicht nicht, einfach nur eine neue Art der IP-Adressierung zu beschließen, man muss sie auch nutzen. Deshalb ist ein Umstieg nötig, ein Umstieg von IPv4 auf IPv6. Alles muss umgestellt werden: Software und Hardware, Server und Geräte, Eingabeformulare für IP-Adressen, Abfragestellen für Domains, jede im Netz aktive Software muss auf den neuen Standard gebracht werden. Ein enormer Aufwand, der schon seit einigen Jahren im Hintergrund betrieben wird, um einen schleichenden Übergang von IPv4 zu IPv6 zu ermöglichen. Denn es ist nicht so, dass an einem bestimmten Tag ein Schalter umgelegt und dann weltweit statt mit der alten mit der neuen Nummerierung gearbeitet wird. Beide Adresssysteme werden parallel betrieben.

Als normaler Computerbenutzer bekommt man davon in der Regel gar nichts mit, die Arbeit wird automatisch erledigt. Sowohl Windows als auch OS X und Linux unterstützen IPv6 schon länger. Probleme bei der Umstellung sind eher bei einzelnen Onlinediensten oder Servern zu erwarten. Unter der Adresse ipv6test.google.com können Sie übrigens selbst nachprüfen, ob Ihr Internet-Anschluss schon IPv6-fähig ist. Falls nicht: Fragen Sie Ihren Provider danach.

Hostingfirmen wie Strato bieten schon länger IPv6-Adressen für ihre Hostingpakete an. So unterstützen einige, wenn auch längst noch nicht alle Webseiten das neue Schema. Seit 6. Juni 2012, dem World IPv6 Launch Day, haben bekannte Seiten wie Facebook, Google und Bing den IPv6-Betrieb offiziell dauerhaft aufgenommen.

Über den Autor:

Jörg Schieb ist Buchautor und Journalist aus Düsseldorf, unter anderem arbeitet und moderiert er für das WDR Fernsehen, den WDR Hörfunk, wdr.de, Deutschlandradio Kultur, Stiftung Warentest und viele andere.

 

 

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