Schieb schreibt: Ab in die Cloud – Worauf Selbständige und kleine Unternehmer achten sollten

Schieb schreibt: Ab in die Cloud – Worauf Selbständige und kleine Unternehmer achten sollten

Diesmal hat sich unser Gastautor Jörg Schieb Gedanken über die Datenwolke gemacht. Alle reden von der Cloud, nicht wenige haben Bedenken, viele nutzen aber auch längst die Chancen und Vorteile. Gerade Selbständige und kleine Unternehmer können von der Cloud profitieren.

Von Jörg Schieb

Wo speichere ich meine Daten? Vor einigen Jahren war die Antwort auf diese Frage klar: Auf der eigenen Festplatte – oder auf den eigenen Servern. Doch heute benutzen wir mehrere Geräte gleichzeitig, wir wollen mit PC, Notebook, Smartphone, Tablet und Co. immer und überall auf unsere Daten zugreifen, im Unternehmen gespeicherte Daten sollen jederzeit allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Da macht es Sinn, die Daten zentral zu speichern, an einem Ort, an dem sie sicher gelagert und jederzeit verfügbar sind.

In Deutschland durchaus umstritten

Die Cloud löst das Problem, ist in Deutschland allerdings umstritten. Viele haben Bedenken, ihre Daten der Datenwolke anzuvertrauen. Nicht ohne Grund, denn wer weiß schon, auf welchen Servern die Daten gespeichert werden, in welchem Land, wer Zugriff darauf hat? Wer sensible Daten speichern will oder muss, sollte deshalb sorgfältig auswählen, wo und wie die Daten gespeichert werden. Bestimmte Berufsgruppen oder Gewerbe unterliegen zudem besonderen Anforderungen, was den Umgang mit sensiblen Daten anbelangt, etwa Steuerberater, Ärzte oder Juristen.

Die auf der Hand liegenden Vorteile der Cloud: Gespeicherte Daten und Anwendungen sind jederzeit verfügbar, man muss seine Geräte nicht aufwändig manuell synchronisieren, die Daten können (in der Regel) nicht verloren gehen, da automatisch Backups gemacht werden – und über Speicherkapazitäten muss man sich auch keine Gedanken machen, weil die Cloud mit den Anforderungen wächst. Genau das macht die Cloud für Selbständige und Freiberufler attraktiv.

Wichtige Kriterien für die Auswahl eines guten Anbieters

Trotzdem sollte man seinen Cloud-Anbieter mit Bedacht auswählen, das Angebot durchaus kritisch hinterfragen. Vertrauen ist wichtig. Man sollte einen Anbieter wählen, der bereits eine gewisse Größe hat, denn was nutzt ein Onlinedienst, der zwar sympathisch wirkt und über eine schicke Benutzeroberfläche oder App verfügt, der aber womöglich schon morgen wieder von der Bildfläche verschwunden ist – und mit ihm alle gespeicherten Daten?

Wichtig ist natürlich auch, dass gespeicherte Daten sicher verwahrt werden. Außerdem sollten Daten verschlüsselt übertragen, idealerweise auch verschlüsselt gespeichert werden können. Darüber hinaus ist es von Vorteil, wenn man mit allen Gerätetypen auf die gespeicherten Daten zugreifen kann, also auch mit Tablet oder Smartphone. Sicherheit und Komfort – beides spielt eine große Rolle. Welche Aspekte wichtiger sind, entscheidet natürlich jeder selbst. Ein Patentanwalt stellt andere Anforderungen an einen Cloud-Dienst als eine Teestube mit Online-Shop.

Wenn US-Geheimdienste schnüffeln und alles lesen können

Wie umfangreich die Schnüffelaktionen von NSA, FBI und britischem Geheimdienst tatsächlich sind, muss erst noch geklärt werden. Fest steht: Der PRISM-Skandal verunsichert viele, die mit dem Gedanken spielen, ihre Daten in der Cloud zu speichern – und das völlig verständlicherweise. Deshalb unbedingt prüfen, ob der Cloud-Anbieter auch die Möglichkeit bietet, die Daten verschlüsselt zu übertragen und zu speichern. Besonders empfehlenswert ist VPN. Nur wenige Cloud-Anbieter bieten das.

Wichtig: Daten, die nicht in Deutschland oder Europa gespeichert und verarbeitet werden, unterliegen auch nicht deutschem oder europäischen Datenschutz. Ein Hoster oder Cloud-Anbieter mit Sitz in Deutschland garantiert zumindest, dass das deutsche Datenschutzrecht greift – und das ist deutlich strenger als das amerikanische. Zugriffe durch Behörden sind schwer vorstellbar, die gesetzlichen Rahmenbedingungen ganz andere. So lassen sich die Vorzüge der Cloud nutzen, ohne dass man schlaflose Nächte haben muss.

Den richtigen und passenden Hoster finden: Wichtige Fragen

Es gibt unterschiedliche Einsatzgebiete für die Cloud. Die einen nutzen sie dazu, um Sicherheitskopien (Backups) für wichtige Daten anzufertigen. So hat man wichtige Dateien nicht nur zu Hause oder im Büro gespeichert, sondern – für den Fall der Fälle – auch auf externen Servern. Spezielle Backup-Software hilft beim Verwalten der Backups und – wichtig! – auch beim Verschlüsseln der Daten. Strato HiDrive unterstützt einem beim Herstellen und Verwalten der Sicherheitskopien.

Andere nutzen die Cloud, weil sie nicht alleine auf die Daten zugreifen, sondern die Daten mit anderen teilen wollen, etwa mit Kollegen. Auch das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten (Kollaboration) ist für viele ein wichtiges Thema: Besteht die Möglichkeit, dass mehrere Personen zeitgleich auf Dokumente zugreifen? Wer öfter in Gruppen arbeitet, sollte einen Cloud-Anbieter auswählen, der es erlaubt, verschiedene Benutzer anzulegen und deren Nutzungsrechte zur verwalten. Auch nicht selbstverständlich.

Last not least: Gibt es die Möglichkeit, den Speicherplatz bei Bedarf zu erweitern? Wer die Cloud intensiv nutzt, braucht möglicherweise früher oder später mehr Funktionen oder Speicherkapazität. Der Cloud-Hoster sollte in der Lage sein, mitzuwachsen. Für viele ist es außerdem hilfreich, einen deutschsprachigen Kundenservice zu haben – und keinen, der in den USA sitzt, nur auf E-Mails reagiert (wenn überhaupt) und das auch noch zeitversetzt. Alles das sollte bei der Entscheidung berücksichtigt werden.

Über den Autor:

Jörg Schieb ist Buchautor und Journalist aus Düsseldorf, unter anderem arbeitet und moderiert er für das WDR Fernsehen, den WDR Hörfunk, wdr.de, Deutschlandradio Kultur, Stiftung Warentest und viele andere.

Schlagworte: , ,

Teilen

Sie können erst kommentieren, wenn Sie unseren Datenschutzbestimmungen und den Cookies zugestimmt haben. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen dürfen wir andernfalls keine personenbezogenen Daten von Ihnen aufzeichnen.

Klicken Sie dazu einfach unten im Browser Fenster auf den blauen Button Akzeptieren. Nach dem Neuladen der Seite können Sie Ihr Kommentar schreiben.