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Veröffentlicht am: 30. Januar 2017

Ehrenamtliche Mitarbeiter von Refugees on Rails

Programmierkurse für Geflüchtete: Eine Berliner Initiative zeigt, wie Integration geht

„Refugees On Rails“ ist ein Beispiel für gelungene Integration: Das bundesweit tätige Freiwilligennetzwerk bringt Geflüchteten das Programmieren bei. Wie das funktioniert, verrät Gründer Weston Hankins im Interview.

Hi Weston, Refugees on Rails gibt es seit 2015. Wie hat alles angefangen?

Ich bin Mitgründer der Berliner IT-Agentur Wunderagent. Wir sind ständig auf der Suche nach Programmierern. Beim Abendessen mit meiner Freundin Anne haben wir uns gefragt: Wie wäre es, Flüchtlingen das Programmieren beizubringen? Das wirkt dem IT-Fachkräftemangel entgegen und ist gut für die Integration. Wir haben zunächst einen Aufruf bei Facebook gepostet. Drei Wochen später waren schon acht Leute im Freiwilligen-Team. Die Resonanz hat uns bestätigt, dass dies eine gute Idee war.

Was hat der Name „Refugees on Rails“ mit Programmieren zu tun? Ich denke bei „Rails“ eher an eine Eisenbahn.

(Lacht.) Nein, mit Eisenbahnen hat das nichts zu tun, sondern mit „Ruby On Rails“. Das ist ein Framework, mit dem man Websites programmiert. Der Clou: Ruby on Rails ist schneller zu lernen als die Skriptsprache JavaScript. Das ist ideal, um erste Schritte in der Welt des Programmierens zu machen. Deswegen haben wir gespendete Laptops fit gemacht, Ruby on Rails installiert und sind damit in eine Berliner Erstaufnahme-Einrichtung gegangen. Wir wollten sehen, ob überhaupt Interesse an Schulungen besteht.

Wie war die Reaktion auf Euer Angebot?

Wir sind zunächst auf Skepsis gestoßen. Die Geflüchteten wussten nicht, ob wir am Ball bleiben oder die Unterstützung abbrechen und ihre Arbeit umsonst gewesen ist. Diese Zurückhaltung hat sich gelegt, als die ersten Interessenten zugesagt haben. Unter ihnen ist zum Beispiel Mohammed – ein 28-jähriger Flüchtling aus Syrien, der in seiner Heimat Restaurants führte und eigentlich mit Programmieren nichts am Hut hat. Er hat sich mit Ruby on Rails vertraut gemacht und dann sogar sein erstes Geld mit programmierten Websites verdient. Mohammed hat mittlerweile eine Aufenthaltsgenehmigung, lebt in Berlin und sucht ein Praktikum in der Wirtschaft.

Weston Hankins (links) mit anderen Ehrenamtlichen

Weston Hankins (links) mit anderen Ehrenamtlichen. Der Programmierer hat Refugees on Rails 2015 ins Leben gerufen. (Quelle: Refugees On Rails)

Wie schätzt Du die Lage ein: Gibt es in Berlin ausreichend Unternehmen, die Geflüchteten eine Chance geben?

Seit Beginn der Initiative mussten wir leider feststellen, dass die Idee auch auf Widerstand stößt. Unter dem ersten Presseartikel standen nach kurzer Zeit gut 300 Kommentare, die größtenteils negativ waren. Die Menschen beklagten beispielsweise, dass die gebrauchten Laptops Geflüchteten zur Verfügung stellt wurden. Wie begegnet man solchen Urteilen? Wir haben festgestellt: dabei helfen Begegnungsräumen, in denen sich Menschen verschiedener Kulturen kennenlernen und Ressentiments abbauen. Dialog ist Teil von Integration.

Hast Du ein Beispiel, wie solche Begegnungsräume helfen, kulturelle Differenzen aufzulösen?

Bei einer Schulung ist es zu einem Zwischenfall gekommen: Ein deutscher Mitarbeiter hat ein syrisches Mädchen umarmt. In ihrer Kultur ist das eine klare Grenzüberschreitung, die vermutlich zu einem Konflikt geführt hätte. Im Seminarraum, einem sicheren Begegnungsraum, war das anders. Beide Beteiligten haben über das Problem und den kulturellen Hintergrund gesprochen. Das hat gegenseitiges Verständnis geschaffen. Dieses Konzept verfolgen wir auch, wenn wir Geflüchtete mit Unternehmen aus der freien Wirtschaft bekanntmachen. Wir begleiten das Treffen und sorgen für einen Begegnungsraum.

In acht deutschen Städten unterstützen Informatiker und IT-Experten Flüchtlinge dabei, Websites zu programmieren und Geld zu verdienen.

In acht deutschen Städten unterstützen Informatiker und IT-Experten Flüchtlinge dabei, Websites zu programmieren und damit auf eigenen Füßen zu stehen. (Quelle: Refugees On Rails)

Refugees on Rails wächst schnell. Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus?

Mittlerweile gibt es die Initiative in sieben Städten: Aschaffenburg, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Leipzig, München. In Köln arbeiten zum Beispiel zwölf Freiwillige, die 15 Geflüchtete betreuen – in Cafés und über einen Zeitraum von drei Monaten. In Hamburg begleiten 16 Mitarbeiter 40 Teilnehmer, in den Büros von Google Deutschland. Alle engagieren sich ehrenamtlich. Und jeden Tag melden sich weitere Helfer. Zum Glück, denn es gibt genug Arbeit.

Wie können andere Refugees on Rails unterstützen?

Auf drei Wegen: Zum einen sind wir auf die Unterstützung von Informatikern und IT-Experten angewiesen, die lokale Gruppen als Mentoren stärken. Auf unserer Website refugeesonrails.org findet man die lokalen Ortgruppen mit eigenen Websites und Social-Media-Kanälen. Super wäre auch, wenn mehrere Interessenten eine neue Ortsgruppe gründen würden. Kontaktiert uns dafür einfach über unsere Homepage. Wir haben mittlerweile viele Schulungsunterlagen und Ressourcen gesammelt, die wir bereitstellen.

Zudem benötigen wir Laptops – die auch gerne gebraucht sein können. Und schließlich sind wir auf Geldspenden angewiesen. Übrigens Dankeschön an STRATO für Eure Spende über 5.000 Euro im letzten Jahr. Wir haben mit dem Geld unter anderem mobile Surfsticks für Teilnehmer ohne Internetzugang gekauft. Jetzt können sie von überall aus das Programmieren üben. Eine tolle Sache.

Vielen Dank für das Gespräch, Weston!

Tags: Berlin

Der Autor:

Autor: Patrick Schroeder

Mein Name ist Patrick Schroeder. Ich arbeite seit einigen Jahren als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de. Ich schreibe hier vor allem über spannende Blogs und Projekte von STRATO Kunden.

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