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Veröffentlicht am: 14. Mai 2019

Marmeladengläser

Lebensmittel online verkaufen: Was Du beachten musst

Ob Käse, Rotwein oder hausgemachtes Chutney: Wer Lebensmittel online verkaufen will, muss die Eigenarten des Geschäfts kennen und Gesetze einhalten.

Was Lebensmittel sind, ist seit 2002 europaweit geregelt: sämtliche Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind oder von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie von Menschen als Nahrung aufgenommen werden. Der Gesetzgeber zählt auch Stoffe dazu, die Lebensmitteln bei der Herstellung oder Verarbeitung absichtlich zugesetzt werden – einschließlich Wasser. Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel sowie Tabak und Tabakprodukte sind keine Lebensmittel.

Rückgaberecht: Gilt nicht für alle Lebensmittel

Alle Online-Händler sind verpflichtet, den Käufer vor der Bestellung über sein Widerrufs- und Rückgaberecht zu belehren. Das gilt auch für Lebensmittel. Allerdings muss der Online-Händler nicht jede Rückgabe akzeptieren.

Bei Konserven und verpackten Lebensmittel besteht nur Widerrufs- und Rückgaberecht, wenn die Ware nicht geöffnet wurde. Fertiggerichte können nicht reklamiert werden, wenn eine vorhandene Versiegelung entfernt wurde. Ob bereits eine einfache Verpackungsfolie als Siegel gilt, ist bislang nicht juristisch geklärt, jedoch anzunehmen.

Frische Waren wie Obst, Gemüse, Käse, Fleisch oder Fisch sind ausnahmslos von der Rücknahme ausgeschlossen. Dasselbe gilt für alle Lebensmittel, deren Verfallsdatum innerhalb der Rückgabefrist überschritten wäre.

Außerdem sind Waren, die auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind, von Widerruf und Rückgabe ausgeschlossen, etwa eine individuell angefertigte Hochzeitstorte mit persönlichen Verzierungen. Als auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten zählen auch bei Bestellung oder Lieferung zubereitete Gerichte, etwa Pizza vom Lieferdienst.

Grundpreise: Gewichte, Volumen und Massen

Bücher, Laptops, Spielsachen: Die meisten Produkte werden stückweise verkauft. Viele Lebensmittel werden hingegen nach Gewicht oder Volumen gehandelt, zum Beispiel „1 kg Bergkäse“ oder „eine Flasche mit 500 ml Kräuterlikör“. Wer solche Angaben nutzt, muss immer den Grundpreis für eine Einheit in unmittelbarer Nähe des Endpreises angeben. Bei „eine Flasche mit 500 ml Kräuterlikör für 14,90 Euro“ muss nahebei stehen: „1 Liter kostet 29,80 Euro.“

Die Preisangabenverordnung erlaubt, dass sich der Grundpreis bei Produkten mit bis zu 250 Gramm Gewicht oder bis zu 250 Milliliter Volumen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter beziehen darf. Wichtig: Der Grundpreis muss sowohl in der Artikelbeschreibung als auch in Produktlisten sichtbar sein.

Werbung: Für Lebensmittel gelten Sonderregeln

Aufpassen müssen Online-Händler bei der Werbung. Gesetze beschränken die Reklame für Lebensmittel. Zum Beispiel sind Vergleiche verboten, die ein Produkt als gesünder anpreisen als ein anderes.

Unbedingt zu beachten ist, dass Produkte mit korrekten Bezeichnungen angeboten werden. Ein Orangensaft mit Fruchtfleisch darf nicht aus Orangensaftkonzentrat bestehen, Leberwurst muss mindestens zehn Prozent Leber enthalten. Eine Orientierung bieten die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs.

Namensgebung: Vegetarische und vegane Lebensmittel

Ende 2018 hat die beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angesiedelte Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) ihre Leitsätze für vegetarische und vegane Lebensmittel veröffentlicht. Demnach müssen Hersteller und Händler vegetarische und vegane Produkte richtig bezeichnen, um Verbraucher nicht zu täuschen.

Für fleischlose Produkte unübliche Begriffe wie Kotelett oder Steak dürfen nicht verwendet werden. Meist zulässig sind Bezeichnungen, die sich an verarbeitete tierische Produkte anlehnen, zum Beispiel „vegetarisches Tofu-Schnitzel“ oder „vegane Soja-Streichwurst“. Im Zweifel sollte man bei der DLMBK nachfragen.

Generell gilt: Alle namentlich nicht eindeutig vegetarischen und veganen Produkte müssen an gut sichtbarer Stelle als vegetarisch oder vegan gekennzeichnet werden.

Beachtenswert ist außerdem, dass geschützte geographische Angaben und Bezeichnungen für garantiert traditionelle Spezialitäten niemals für vegetarische und vegane Produkte verwendet werden dürfen. „Vegetarische Thüringer Rostbratwurst“ oder „vegane Schwarzwaldforelle“ darf niemand verkaufen.

Kennzeichnungspflicht: Verordnung auf EU-Ebene

Die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung geht weit über die Leitsätze hinaus. Auf ihr basiert auch die im Dezember 2014 eingeführte Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die online verkauft werden. An diese Kennzeichnungspflicht muss sich jeder Shop-Betreiber halten.

Einfach gesagt, verpflichtet die EU alle Online-Händler dazu, Lebensmittel mit denselben Informationen zu kennzeichnen wie im herkömmlichen Handel. Dazu gehören beispielsweise die korrekte Bezeichnung des Lebensmittels, das Zutatenverzeichnis, die Menge bezeichneter Zutaten sowie ein etwaiger Alkoholgehalt. Außerdem sind Ursprungsland und Herkunftsort des Lebensmittels anzugeben.

Für mehr Verbraucherschutz sorgen Pflichtangaben zu Allergenen wie Nüssen oder Geschmacksverstärkern. Ausführliche Informationen zu den EU-Regelungen gibt es zum Beispiel auf der Website des Münchner Rechtsanwalts Max-Lion Keller.

Alkoholische Getränke: Jugendschutz im Netz

Besondere Vorsicht ist beim Verkauf alkoholischer Getränke geboten. So ist es wettbewerbswidrig, sie in irgendeiner Form als bekömmlich oder gar gesund anzupreisen.

Zudem gilt das Jugendschutzgesetz. Der Online-Händler hat mittels geeigneter Maßnahmen sicherzustellen, dass bestimmte alkoholische Getränke nur an Personen ab 18 Jahren verkauft werden. Mit welcher Methode er das gewährleistet, bleibt dem Online-Händler überlassen. Geläufig sind die Altersverifikation per Personalausweis und/oder Kreditkarte sowie der telefonische Kontakt zwischen Verkäufer und Kunden. Hundertprozentige Sicherheit gewährleistet allerdings kein Verfahren.

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Hinweis: Der ursprüngliche Beitrag ist im STRATO Blog zum ersten Mal am 28. Januar 2015 erschienen. Diesen Beitrag haben wir aktualisiert.

Der Autor:

Autor: Sven Hähle

Mein Name ist Sven Hähle. Ich arbeite seit vielen Jahren als Fachjournalist und schreibe für diverse Zeitschriften und Online-Portale über Digitalkultur, eBusiness und Technik.

14 Kommentare

  1. Hediye sagte am 28. Januar 2017 um 21:54:

    Hallo,

    wie sieht es rechtlich aus wenn ich auf meinem Online-Shop Lebensmittel von Privaten Haushalten verkaufen möchte, wer trägt hier das Risiko?

    Antworten
  2. Klaus sagte am 5. Dezember 2017 um 15:45:

    Vielen Dank für die wichtigen und umfassenden Hinweise. So lässt sich sicher schon mal die eine oder andere Abmahnung vermeiden. Hinzu kommen noch diverse Vorschriften und Voraussetzungen die es zu erfüllen gilt, wenn man z.B. Lebenmittel über Plattformen wie Amazon verkaufen möchte. Da kann es auch schon mal einige Wochen dauern, bis man endlich alle erforderlichen Nachweise erbracht hat und dies überprüft worden sind. Grundsätzlich machen diese Vorschriften aber Sinn, dienen sie doch dem Schutz der Verbraucher. Es gibt allerdings EU-bedingte Auswüchse die kaum noch nachvollziehbar sind.

    Antworten
    • Michael Poguntke sagte am 5. Dezember 2017 um 16:06:

      Hallo Klaus,

      danke für Deine Rückmeldung – freut mich, dass Dir unsere Tipps helfen. Ich gebe Dir Recht: Das mit den Vorschriften kann manchmal wirklich Kopfzerbrechen bereiten. Umso mehr hoffe ich, dass Du mit Deinem Shop trotzdem erfolgreich bist. 🙂

      Viele Grüße
      Michael

      Antworten
  3. Tom Meyer sagte am 10. Mai 2018 um 12:09:

    Hallo,

    Ist es gesetzlich vorgeschrieben Nährwertangaben wie kilokalorien etc. Auf seinem Produkt zu erwähnen?

    In meinem Fall wären es Nudeln aus eigener Produktion.

    MfG

    Tom

    Antworten
  4. Melanie sagte am 22. Mai 2018 um 2:25:

    Hallo,
    genügt es, wenn auf meinem Gewerbeschein steht:
    „Handel/Onlinehandel mit Lebensmitteln?“
    Ich würde Lebensmittel (trockene, wie z.B. Nudeln etc, KEINE verderblichen!)
    und als Getränke ausschließlich NON-Alkoholic, wie z.B. Wasser, Säfte.. anbieten,
    und das auch ausschließlich im Dropshipping-Verfahren über meinen OnlineShop und Amazon.
    Brauche ich dazu zwingend die Gesundheitsbelehrung nach § 43 IfSG oder ist das in diesem Fall hinfällig?

    Ich danke vorab sehr, für Eure kure Rückmeldung.

    Liebe Grüße,
    Melanie

    Antworten
    • Thomas Ritter sagte am 22. Mai 2018 um 10:32:

      Hallo Melanie,

      wir dürfen und können Dir leider keine Rechtsberatung bieten. Bitte wende Dich mit Deiner Frage an einen Rechtsanwalt oder die zuständigen Behörden.

      Schöne Grüße
      Thomas

      Antworten
  5. L. S. sagte am 8. Juni 2018 um 14:52:

    Hallo, ich möchte gern auf eBay-Kleinanzeigen Erdnüsse verkaufen, welche eingeschweisst und ungeöffnet sind. Das MHD läuft noch bis März 2019. Ich bin Privatverkäufer. Darf ich das, da Erdnüsse Lebensmittel sind. Der Packungsinhalt beträgt 1.000 g. Die Inhaltsstoffe sowie die Nährwerte würde ich natürlich in der Art. beschreibung angeben, auch das MHD. Von eBay-Kleinanzeigen erhalte ich diesbezüglich leider keine Antwort. Kann mir hier jemand weiterhelfen, der sich in meiner Situation 100% auskennt und sicher ist? Wäre schön. Vielen Dank schon einmal im Voraus. Sonnige Grüße aus Puttgarden, L. S..

    Antworten
    • Michael Poguntke sagte am 8. Juni 2018 um 16:56:

      Hallo L.

      wir können Dir leider keine Fragen zu eBay-Kleinanzeigen beantworten, da das nicht unser Produkt ist. Aber ich gebe Deine Frage gerne für die Community frei.

      Viele Grüße
      Michael

      Antworten
  6. Aylin Malik sagte am 10. Juni 2018 um 14:47:

    Hallo,

    ich würde gerne homemade Granola ( knuspriges Müsli) online verkaufen. Brauche ich dafür eine eigene Küche nur fürs backen oder reicht meine Küche aus für das Gesundheitsamt?

    Vielen Dank.

    Antworten
    • Michael Poguntke sagte am 11. Juni 2018 um 9:28:

      Hallo Aylin,

      wir selbst können Dir die Frage leider nicht beantworten, da wir bei rechtlichen Themen nicht beraten dürfen. Aber vielleicht kennt ein anderer Leser die Antwort? 🙂

      Liebe Grüße von einem großen Müsli-Fan! 😉
      Michael

      Antworten
  7. Jens Niehaus sagte am 23. November 2018 um 11:27:

    Hallo Service-Team,
    wir haben bereits mit dem Verkauf von Lebensmittel online gestartet – Start September 2018 Jedoch steht unsere Kontrolle durch einen Lebensmittelkontrolleur noch aus – Termin 30.11.18. Wir haben mit ihm bisher nur Kontakt zwecks Terminabsprache aufgenommen.
    Dürfen wir trotz ausstehender Erstkontrolle schon LM online verkaufen oder kann dies strafbar sein?

    Antworten
    • Michael Poguntke sagte am 23. November 2018 um 11:57:

      Hallo Jens,

      als Internet Service Provider dürfen wir laut Rechtsdienstleistungsgesetz keine Rechtsberatung erteilen. Deshalb können wir Dir diese Frage leider nicht beantworten. Wende Dich hierfür am besten an jemanden, der dafür legitimiert ist, zum Beispiel einen Rechtsanwalt.

      Tut mir Leid, wenn ich Dir dabei nicht helfen kann.

      Viele Grüße
      Michael

      Antworten

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